Was mir durch den Kopf geht

Ihr macht mehr kaputt, als Autos und Fensterscheiben!

Heute haben mich mehrere Menschen gefragt, ob bei uns alles okay ist und ob es uns gut geht. Der Grund daf├╝r: Wir wohnen in Hamburg und die Ausschreitungen am Rande des G20 Gipfels nehmen immer heftigere Ausma├če an. Ich erinnere mich, dass ich zuletzt meine Freunde in Paris so etwas gefragt habe, nach den schrecklichen Terroranschl├Ągen dort. Eigentlich wollte ich an diesem Wochenende einen Freund besuchen, aber ich habe mich nicht getraut, mit dem Auto loszufahren, weil mein Weg teilweise durch die Stadt gef├╝hrt h├Ątte.

Terroristen in meiner Stadt

Den ganzen Tag kreisen Helikopter ├╝ber der Stadt. „Es ist ja nur dieses Wochenende“, denke ich mir. Aber es f├╝hlt sich komisch an. Ungewohnt und vor allem angst einfl├Â├čend. Ein Video zeigt, wie schwarz gekleidete Menschen durch ein Wohngebiet ziehen, Scheiben einschlagen und Autos in Brand setzen. Ein anderes Video zeigt einen Autofahrer, der an brennenden M├╝lltonnen und Autos vorbeif├Ąhrt. Chaos auf den Stra├čen, niemand traut sich aus dem Haus, Polizei und Feuerwehr sind im Dauereinsatz und trotzdem v├Âllig ├╝berfordert. Sie k├Ânnen nicht ├╝berall gleichzeitig sein.

Ja, es ist schockierend, dass so etwas heute in meiner Stadt passiert. Ich wohne nicht im Zentrum der Stadt, aber das ist Zufall – wir h├Ątten damals ebenso gut in der N├Ąhe der Stadtmitte eine Wohnung finden k├Ânnen, dann w├Ąren wir jetzt mittendrin in den Krawallen. Jetzt aber betrachte ich das Treiben mehr oder weniger von au├čen und ├╝ber Augenzeugen-Videos. Ich sehe verw├╝stete Orte, an denen ich schon oft selbst gewesen bin. Und es ist so unfassbar ungerecht. Randalierende Menschen ziehen wie eine furchtbare Sturmflut durch die Stadt, hauen alles kaputt, z├╝nden Autos von Anwohnern an. Es macht mich traurig, aber vor allem w├╝tend. Was denken die denn, wer sie sind? In meinen Augen sind sie nichts weiter als Terroristen. Die B├Âsen in dieser Geschichte.

Demonstration versus Destruktion

Dabei ist Demonstrieren wichtig und gut. Heute in den Nachrichten berichteten alle ├╝ber die Ausschreitungen, die Polizeieins├Ątze und die Br├Ąnde. In einem kleinen, kurzen Halbsatz wurde erw├Ąhnt, dass es auch friedliche Demonstrationen gegen den G20 Gipfel gab. Man sieht dann etwa 2 Sekunden lang ein paar friedlich demonstrierende Menschen. Das war’s. Kein Interview ├╝ber die Hintergr├╝nde der Demonstration. Nichts. Kein Demonstrant kommt zu Wort.

Laut Spiegel Online wurden bereits 149 Polizisten im Einsatz verletzt. Und die m├╝ssen da sein. Sie m├╝ssen sich den Demonstranten stellen. Was w├Ąre denn die Alternative? Alle gewaltbereiten Demonstranten losziehen lassen. Sie einfach walten lassen? Sie noch mehr in Brand setzen lassen?

W├╝rde man die Schwarzgekleideten fragen, h├Ątten sie sicher einige nette, politische Parolen auf Lager, um ihre destruktiven Verhaltensweisen zu rechtfertigen. Mit ihnen ├╝ber den Unsinn ihrer Taten zu diskutieren ergibt mit Sicherheit keinen Sinn. Eins wei├č ich aber sicher: Am meisten schaden sie mit ihren Aktionen ihren friedlichen Mitdemonstranten. Niemand m├Âchte etwas ├╝ber „die Korruption der da oben“ h├Âren, wenn sein Auto in Flammen steht. Niemand hat Verst├Ąndnis f├╝r die lautstarken Erinnerung an Umweltschutzversprechen, wenn man seine Scheiben einschl├Ągt.

W├╝rde man in Zukunft das Demonstrieren bei derartigen Events verbieten: Ich w├╝rde es verstehen. Niemand m├Âchte sehen, wie seine Stadt im Chaos versinkt – auch, wenn es „nur ein Wochenende“ ist.

Seid laut, seid m├╝ndig. Aber vergesst nicht: M├╝ndigkeit hat etwas mit dem Mund zu tun. Mit sprechen, sagen, rufen – meinetwegen auch mit schreien. Werft Worte statt Steine und haltet flammende Reden, statt Autos in Brand zu setzen. Das ist der Widerstand, den wir brauchen.

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