Was mir durch den Kopf geht

Tut uns leid, Sie sind ein Risikofaktor

„Jetzt müsste ich Sie nur noch nach ungefährer Größe und ihrem aktuellen Gewicht fragen“. Und das war’s dann auch mit diesem freundlichen, informativen Telefongespräch. Ich hatte eine private Krankenkasse angerufen, um mich über eine private Versicherung zu informieren. Derzeit bin ich arbeitssuchend ohne Anspruch auf Arbeitslosengeld. Normalerweise kann man sich dann über seinen Ehepartner mitversichern lassen, aber mein Mann ist nicht versichert, weil er Soldat ist. Ich bin die Ehefrau eines Soldaten der Bundeswehr.

Die „Beihilfe“ der Bundeswehr ist uns keine Hilfe

So fing die ganze Misere an. Bei der sozialen Beratungsstelle der Bundeswehr informierte man uns über die Möglichkeit einer Beihilfe durch die Bundeswehr. Eine Art Sonderlösung für Ehepartner von Bundeswehrangehörigen. Das Angebot: 70% der Arztkosten übernimmt die Bundeswehr, 30% eine private Versicherung. So weit, so gut. Also nur noch schnell eine private Versicherung suchen, die Teilversicherungen anbietet. Da gibt es ein paar zur Auswahl, eine hat sich sogar darauf spezialisiert. Leider hat die Sache einen Haken:

Private Versicherungen möchten nur junge, kerngesunde Leute versichern.

Heuschnupfen sei natürlich gar kein Problem, sagte der Mann am Telefon. Natürlich müsse man da aber einen Risikozuschlag berechnen. Ebenso bei kleineren Anomalien wie leichtem Übergewicht und so weiter. Anders sähe es aus bei chronischen Erkrankungen. Asthma zum Beispiel. Wiederkehrende Rückenbeschwerden, Depressionen, Knieprobleme, Aids oder – noch schlimmer – Krebs? Nein danke, sagt dann die private Krankenversicherung.

Wer nicht kerngesund ist und darüber hinaus voraussichtlich in Zukunft auch kerngesund bleibt, ist ein unzumutbarer Risikofaktor. Dann versichern sie einfach nicht. Denn sie müssen ja auch niemanden versichern. Dafür ist die gesetzliche Krankenversicherung da.

Ich bin ein Risikofaktor

Mein Übergewicht ist auch ein Ausschlusskriterium. Also bleibt mir nur noch die gesetzliche Krankenversicherung. Die muss mich nehmen – trotz Heuschnupfen und Übergewicht. Zum Glück! Allerdings bedeutet das in meinem Fall, dass ich ab sofort ohne jegliches Einkommen knapp 300 Euro abdrücken muss – oder genauer gesagt: Mein Mann muss das für mich tun. Hat man als verheiratete Person kein Einkommen, wird die Beitragshöhe anhand des Einkommens des Ehepartners berechnet.

Ja, mit diesem Problem bin ich ein Sonderfall. Und ja: Hoffentlich finde ich bald wieder einen Job. Aber mein Mann wird noch mindestens zwei Mal versetzt in den zwei nächsten Jahren und natürlich möchte ich ihn begleiten. Dass ich dadurch immer wieder eine neue Anstellung finden muss und daher auch zwangsläufig ein paar Monate arbeitslos sein werde, ist offensichtlich.

Dafür, dass ich meinen Mann begleiten und unterstützen möchte, werden wir ab sofort jeden Monat mit knapp 300 Euro bestraft. Das fühlt sich überhaupt nicht fair an. Mal ganz abgesehen von der Umstellung, die wir innerhalb weniger Monate durchlebt haben: Erst zwei volle Gehälter, dann eines plus Arbeitslosengeld. Und jetzt? Ein Gehalt minus meine Krankenversicherung.

Die Bundeswehr lässt mich, Ehefrau eines Soldaten, im Regen stehen.

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