Was mir durch den Kopf geht

Ein doofer Tag ist kein Rückschritt

Die letzten Wochen waren durchwachsen. Ich hatte gute und schlechte Tage. An den guten habe ich gearbeitet, ein bisschen was für Youtube gemacht und abgespült, Wäsche gewaschen und so weiter. An den schlechten kam ich nicht aus dem Bett, hatte direkt auf gar nichts Lust und habe den Tag mit schlechter Laune auf dem Sofa verbracht. Aber irgendwie war es rückblickend erträglicher und fühlte sich weniger krisenhaft an. „Warum?“, habe ich mich gefragt.

Ein doofer Tag ist kein Rückschritt

Insgesamt möchte ich ja, dass es mir besser geht. Darum stelle ich mir die Verbesserung des Allgemeinzustands als eine Art langsam, aber hoffentlich stetig steigendes Liniendiagramm vor. Wenn also schlechte Tage kommen, sehe ich die Linie fallen und denke normalerweise: „Och nö, ein Rückschritt.“

„Wie läuft es bei dir heute?“, fragte mich mein Mann per WhatsApp. „Nicht so gut.“, antwortete ich. „Ich glaube heute wird kein produktiver Tag.“ Und dann habe ich frustriert angefügt: „Bleib ich halt den ganzen Tag auf dem Sofa liegen und mache gar nichts.“ Ich habe also meinen schlechten Tag einfach mal akzeptiert. Habe mich nicht an den PC gezwungen, um dann doch nicht zu arbeiten. Habe nicht eine einzelne Tasse abgespült, um mir vorzumachen, dass ich abgespült habe. Also lag ich tatsächlich – mehr oder weniger – den ganzen Tag auf dem Sofa und habe Serien angeschaut, mich dabei gelangweilt und war maulig. Ein doofer Tag.

Aber kein Rückschritt. Doofe Tage gehören eben zum Leben dazu. Vielleicht sind sie bei mir häufiger oder intensiver als bei anderen Menschen. Aber doofe Tage hat jeder. Es ist, sozusagen, etwas ganz Natürliches. Sie lassen sich nicht abschaffen oder durch eine Strategie überwinden, sie gehören einfach dazu. Und ich muss darum auch nicht lernen, doofe Tage zu verhindern, sondern sie zu akzeptieren und ihnen nicht zu viel Bedeutung zuzumessen.

Don’t worry! Be happy?!

Man kann nicht immer glücklich sein und vor allem muss man auch nicht immer glücklich sein. Weder kann man allen Situationen des Lebens mit Fröhlichkeit und Tatkraft begegnen, noch lassen sich alle Probleme durch Lächeln und Optimismus bewältigen. Dass Menschen auf Facebook lieber ein Bild von ihrem Essen posten, als über aktuelle Beziehungsprobleme zu berichten, leuchtet ein. Und dass man lieber von dem Tag twittert, an dem man Sport gemacht hat, als von allen anderen Tagen, an denen man Chips-futternd auf dem Sofa saß, ist auch klar. Irgendwie ist das auch okay. Man teilt nun mal lieber Dinge, die einen begeistern und Aktionen, die einen stolz machen, als traurige, nervige und bedrückende. Aber wir dürfen nie vergessen: Niemand ist immer glücklich, niemand ist immer erfolgreich.

HAPPINESS ist eine Art Religion geworden. Was läge auch näher? Schließlich möchte jeder Mensch glücklich sein. Darum lesen wir „5 Tipps für einen motivierten Start in den Tag“, probieren schlechte Laune mit Meditation zu besiegen und Antriebslosigkeit mit grünen Smoothies. Bloß keinen Raum lassen für Traurigkeit, Melancholie und Langeweile.

Es ist okay, nicht „happy“ zu sein

Erinnert ihr euch an den Disney-Film „Alles steht Kopf“? Freude, Kummer, Angst, Wut und Ekel sind die Hauptfiguren, die im Kopf eines Mädchens leben. Freude ist dabei so etwas wie die Hauptperson. Sie will um jeden Preis verhindern, dass Kummer Einfluss auf die Erinnerungen des Mädchens erlangt. Logisch oder? Doch letztendlich ist es nötig, dass Kummer für kurze Zeit das Kommando im Kopf übernimmt, damit das Mädchen die richtige Entscheidung treffen kann.

Traurigkeit, Kummer, Melancholie, Verzagtheit, Mutlosigkeit. Das fühlt sich alles nicht gut an, aber es ist einfach manchmal da und bleibt für eine Weile. Und manchmal ist es auch wichtig, damit man etwas verarbeiten, überdenken oder verstehen kann.

Ich werde also versuchen, mich von dem Gedanken zu verabschieden, immer glücklich, gut gelaunt, motiviert und produktiv sein zu wollen. Das ist nämlich unmöglich. Und ich werde versuchen, meinen Weg nicht mehr in Fortschritten und Rückschritten zu messen, da das meinem eigentlichen Anliegen nicht gerecht wird. Ich möchte ja nicht perfekter werden, sondern zufriedener. Und ich möchte auch nicht nur noch „happy“ sein, sondern lernen, depressive Phasen anzunehmen und besser mit ihnen umzugehen.

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